Enzian Südtirol

Politik für die Menschen

Presse

17. März 2021 Zur Übersicht

Die Rechnung bitte!

Die Krönung der Corona-Krise ist wohl die Art und Weise, wie man mit den Corona-Zahlen - der Statistiker spricht von Rohwerten - umgeht, meint der Landtagsabgeordnete Josef Unterholzner und bekommt jetzt per SMS und Vokalnachricht Recht von den Granden der Pandemiestrategen Widmann, Zerzer, Franzoni und Schuler.

Seit einem ganzen Jahr werden sogenannte Rohwerte, also die Anzahl der positiv Getesteten, auch vom Experten, ohne diese in Beziehung zur Anzahl der Getesteten mit den Fallzahlen anderer Gebiete verglichen. Ohne zu bedenken, dass es eben einen gewaltigen Unterschied ausmacht, ob ich 10 Menschen teste und 10 sind positiv, oder ob ich 1.000 Menschen teste und 10 sind positiv. Wir haben immer über den Sanitätsbetrieb und die Medien die Fallzahl mitgeteilt bekommen, also in diesem Beispiel die 10. Im ersten Beispiel wären es 100% positiv Getestete, im zweiten lediglich 1%. Dieser Unterstufen-Mathematikfehler ergibt somit eine vollkommen unterschiedliche Inzidenz.

Obwohl Unterholzner einige der Pandemiestrategen bereits im letzten Jahr mehrmals darauf aufmerksam gemacht hatte und erleben musste, dass diese sich eine beeindruckende Immunität gegenüber einfachsten Argumenten angeeignet hatten, hat er trotzdem ein solches Rechenbeispiel eines Berchtesgadener Mathematikers am Wochenende allen Granden der Pandemiestrategen per WhatsApp zukommen lassen. Damit hat Unterholzner einen gewaltigen Stein ins Rollen gebracht. Vom Landeshauptmann kam keine Antwort auf die Frage, ob er denn mit diesem Gedanken vollkommen falsch liege. Der Landesrat für Gesundheit hat geantwortet mit „stimmt total“, Generaldirektor Florian Zerzer hat Unterholzner eine Sprachnachricht mit folgendem Wortlaut zukommen lassen: „Hallo, guten Nachmittag, das ist eine super Berechnung, die ist für Südtirol goldrichtig. Wir brauchen ja deutsche Mathematiker. Unsere sind nicht draufgekommen. Das ist goldrichtig. Danke vielmals!“. Landesrat Schuler schreibt “Nein, du liegst nicht daneben“ und Franzoni von Task-Force meinte „wir testen viele Leute und isolieren viele Asymptomatische, die andere anstecken können“.

Was soll man dazu noch sagen, nachdem man es geschafft hat, den – vor lauter Staunen – hinuntergeklappten Unterkiefer wieder in seine ursprüngliche

Position zu bringen? Wie ist es möglich, dass man einem solch krassen Denkfehler verfallen kann? Es mutet doch sagenhaft an, dass die Bevölkerung über ein Jahr mit Märchenzahlen überschüttet worden ist, ohne, dass den hochbezahlten Experten etwas aufgefallen wäre.

Wir haben also reine Rohwerte serviert bekommen und man hat nicht einmal den einfachsten Schritt getan, nämlich diese Werte in Relation zu den durchgeführten Tests zu setzen, also einfache Prozentzahlen zu berechnen. Ein Wert bekommt erst einen Sinn, wenn ich ihn vergleiche, also ein Verhältnis zu einem anderen, bereits bestehenden Verhältnis herstelle. Dann entsteht „besser“, „mehr“, „gefährlicher“ als der Vergleichswert. Das hat der Abgeordnete Unterholzner in der Vergangenheit mehrmals angemahnt – ohne Ergebnis. Erst jetzt, nach einem Jahr kommt die Bestätigung.

Darüber hinaus kommt noch, dass reine Rohwerte in der Statistik keine Aussagekraft haben, auch nicht, wenn diese in Prozenten angegeben werden. Nicht nur Statistiker wissen, dass es bei der Einholung von Rohwerten unerlässlich ist, diese zu randomisieren. Nur Randomisierte, also durch Zufall ausgewählte Probanden, bzw. getestete Personen ergeben Rohwerte, die man statistisch derart aufbereiten kann, dass sie mit in derselben Weise berechneten Werten, die an anderen Orten erhoben worden sind, überhaupt vergleichbar sind. Alles andere ist statistischer Quatsch. In der Medizin wird zudem noch gefordert, dass man die Daten „doppelblind“ erhebt, sprich, dass weder die Patienten noch die behandelnde Ärzteschaft weiß, welches Medikament die Versuchspersonen bekommen. Normalerweise bekommt eine Gruppe das neue, zu testende Medikament, eine Gruppe das bis dahin verwendete und eine Gruppe ein sogenanntes Placebo, also ein „Medikament“, wo gar kein Wirkstoff enthalten ist.

Wie ist es zu erklären, dass dieses Basiswissen von den meisten Expertengruppen vergessen worden ist? Wie auch immer das zustande kommen konnte, der Abgeordnete Josef Unterholzner regt auf jeden Fall an, ja er fordert die Task-Force-Gruppe auf, diese Fehler schnellstens zu beheben, damit wir endlich zu Ergebnissen kommen, mit denen vernünftige Entscheidungen getroffen werden können. Es ist Zeit, die richtige Rechnung zu verlangen!

Deine Meinung zählt!

Nur gemeinsam kommen wir ans Ziel - wir freuen uns auf Deine Meinung und Vorschläge