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12. Oktober 2020 Zur Übersicht

Schattenseiten der E-Mobilität: Kobaltabbau im Kongo

Es gibt ein Vielfaches Pro und Kontra sowohl für als auch gegen E-Autos.

Besonders im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch, Umwelt- und Lebengrundlage Zerstörung. Durch die Gewinnung von Rohmaterialien zur Herstellung von Batterien gibt es große Bedenken.

Können wir das alles verantworten und mittragen?

Dies vorausgeschickt,

stelle ich an die Landesregierung folgende Fragen:

1. Weiß die Landesregierung ob durch ihre Förderungen nur Fahrzeuge mit zertifizierten Konfliktmineralien erworben werden?

2. Weiß die Landesregierung, ob an den E-Zapfsäulen nur grüner Strom getankt wird und woher dieser kommt?

3. Wie werden E-Autos in Südtirol entsorgt und was sind die Kosten pro Fahrzeug?

4. Wie werden E-Bikes in Südtirol entsorgt und was sind die Kosten pro Rad, bzw. pro Batterie?

Bozen, 12.10.2020

Der Landtagsabgeordnete
Josef Unterholzner


Antwort von LR Vettorato

Sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter,

ich schreibe Ihnen betreffend Ihre Anfrage zur aktuellen Fragestunde vom 13. Oktober 2020 und darf Ihnen auch im Namen des Landesrates Daniel Alfreider (Frage 1), wie folgt antworten:

Die “WEEE-Richtlinie” (Richtlinie 2012/19/EU über elektrische und elektronische Altgeräte) zielt darauf ab, die Umwelt und die menschliche Gesundheit durch die Förderung einer nachhaltigen Produktion und eines nachhaltigen Verbrauchs zu schützen. Die Richtlinie verfolgt folgende Ziele:

– Vermeidung von elektrischen und elektronischen Altgeräten.
– Förderung der Wiederverwendung, des Recyclings und anderer Formen der Verwertung von elektrischen und elektronischen Altgeräten.
– Beitrag zur effizienten Nutzung von Ressourcen und zur Rückgewinnung wertvoller Sekundärrohstoffe.

Die Richtlinie basiert auf dem Verursacherprinzip. Um diesem Grundsatz gerecht zu werden, wurde die Finanzierung und Organisation der Sammlung und Behandlung von elektrischen und elektronischen Altgeräten in die Verantwortung der Hersteller gestellt. Um diese neuen Kosten zu decken, steht es den Herstellern frei, beim Verkauf neuer Geräte einen Umweltbeitrag zu erheben. Der Umweltbeitrag darf die Kosten der Altgerätebewirtschaftung nicht überschreiten.

Frage 1: Das Land Südtirol weiß grundsätzlich, welche Fahrzeuge mit den Förderungen erworben werden. Es ist für das Land Südtirol aber unmöglich, die Verarbeitungsketten bei der Herstellung der Bestandteile sowie die Lieferketten der Zulieferer der Automobilindustrie nachzuverfolgen. Bekanntlich besteht die Automobilindustrie aus sehr vielen Herstellern und noch mehr Zulieferern. Die Europäische Union hat mit einer Verordnung vom 22. November 2016 versucht, den Handel mit sogenannten Konfliktmineralien – u.a. Zinn, Tantal, Wolfram und Gold – , die mitunter zur Finanzierung bewaffneter Konflikte beitragen oder in Zwangsarbeit abgebaut werden, einzudämmen. Durch die Verordnung werden EU-Unternehmen in der Lieferkette verpflichtet, sicherzustellen, dass sie diese Mineralien und Metalle lediglich von verantwortungsvollen und konfliktfreien Quellen beziehen. Diese Verordnung tritt am 1. Januar 2021 in Kraft.
https://ec.europa.eu/trade/policy/in-focus/conflict-minerals-regulation/regulation-explained/index_de.htm.
Die Automobilindustrie ist deshalb – aber auch aufgrund der öffentlichen Aufmerksamkeit zu diesen Themen – bemüht, ihre eigenen Lieferketten zu analysieren und versucht, nachhaltige Gesamtsysteme beim Abbau und der Verarbeitung von Rohstoffen für die Produktion von E-Autos zu etablieren. Dies hat es in diesem Ausmaß bei der Herstellung von Verbrennerfahrzeugen, wo z.B. ebenfalls Kobalt in geringeren Mengen zum Einsatz kommt, oder im Zusammenhang mit Akkus für z.B. Handys, Bohrer oder Rasenmäher – geschweige denn im Zusammenhang mit den zahlreichen Problematiken bei der Förderung und dem Transport von Erdöl – bis jetzt nicht gegeben. Insofern ist die Industrie bemüht, bei der Materialbeschaffung für die Elektromobilität
vorbildlich vorzugehen. Gleichzeitig wird versucht, den Anteil an kritischen Materialien zu reduzieren. So hat beispielsweise Tesla erst kürzlich am 22.09.2020 beim sogenannten „battery technology day“ angekündigt, Kobalt gänzlich aus den Batterien entfernen zu wollen.

Frage 2: Die meisten Ladestationen werden von Neogy, einer Tochtergesellschaft der Alperia-Gruppe betrieben. Der von Alperia produzierte Strom stammt aus erneuerbaren Quellen (Angaben des Betreibers).

Frage 3: Noch gibt es keine speziellen Sammel-, Transport- und Behandlungskreisläufe für die Ausrangierung elektrischer Altfahrzeuge. Sie werden deshalb über die traditionellen Verschrottungswege von Altfahrzeugen entsorgt. Vor jeder Verschrottung müssen alle gefährlichen Bestandteile eines Altfahrzeuges entfernt werden.  Die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz verfügt aber über keine Informationen zu den Verschrottungskosten und den Kosten des Lebenszyklus eines Altfahrzeuges. Diese Entsorgung wird von privaten Unternehmen organisiert. Aus Sicht des Umweltschutzes ist zu hoffen, dass es möglichst rasch auf europäischer und nationaler Ebene Richtlinien geben wird, welche diese Entsorgungsprozesse
reglementieren und organisieren.

Frage 4: Elektrofahrräder sind nach europäischer und nationaler Gesetzgebung seit August 2018 Teil der WEEE-Richtlinie. Für Altgeräte aus dem Haushaltsbereich oder Betrieben, welche dem Haushalt gleichgestellt werden können, werden die Kosten für die Sammlung, den Transport und die Behandlung vollständig vom System getragen. Das System wird von den Herstellern in Form von Kollektivsystemen/Konsortien verwaltet.

Mit freundlichen Grüßen.

Der Landesrat
Giuliano Vettorato

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