Enzian Südtirol

Politik für die Menschen

Arbeit im Landtag

19. Dezember 2022 Zur Übersicht

Großraubwildtiere – schnelle und unbürokratische Entnahme im Bedarfsfall

Ersetzungsantrag – ausgearbeitet mit der SVP

Aus vielen Landesteilen Südtirols werden vermehrt Wolfsrisse gemeldet, die immer mehr zu einem Existenzproblem werden. Nicht nur für die um ihre Nutztiere bangenden Bauern, mittlerweile steigt auch der Unmut in der Bevölkerung, da sich der Wolf immer mehr bewohnten Gebieten nähert und diese auch zum Teil durchstreift.

Die Präsenz eines Wildtieres, in direkter Nähe zu Wohnhäusern, Dörfern und letzthin auch zu Kinderspielplätzen lässt einen nachvollziehbaren Aufschrei durch die Bevölkerung gehen und lässt auch darauf schließen, dass der Wolf zunehmend seine natürliche Scheu vor Menschen verliert. Bedenkt man dann noch, dass bei gleichbleiben-dem Schutzstatus die Prognosen der zuständigen Ämter einen exponentiellen Anstieg der Wolfspopulation in Südtirol vorhersagen, kann man von einer beunruhigenden Entwicklung sprechen.

Betrachtet man diese Entwicklung in den vergangenen Jahren, ist eine Zuspitzung der Situation nicht von der Hand zu weisen. Zwar wurde versucht, durch Präventions- und bauliche Herdenschutzmaßnahmen den Wolf zurückzudrängen, doch leider ist deren Schutzwirkung nur begrenzt. Der Aufwand zur Realisierung derartiger Maß-nahmen ist hoch, das Ergebnis dürftig. Zudem werden immer weniger Tiere auf die Weiden gebracht, da die Schutzmaßnahmen auch eine Reduzierung der Weideflächen mit sich bringen.

Die Folgen davon sind für eine kleinstrukturierte Landwirtschaft wie jene in Südtirol dauerhaft: eine nachhaltige Veränderung der Weidegewohnheiten und -flächen ist ein greifbares Szenario, Bemühungen um die Erhaltung von alten Rassen wie etwa das Villnösser Brillenschaf und der Schafzucht im allgemeinen sowie eine Möglichkeit des Nebenerwerbs für Bergbauern werden stark ein-geschränkt oder vielleicht gar zunichte gemacht.

Südtirol ist nicht nur ein dicht besiedeltes, sondern auch von Touristen stark frequentiertes Land. Menschen suchen in unserer einzigartigen Kulturlandschaft Entspannung und nutzen unsere Natur auch als Erholungsraum für Sport und Freizeit. Die Möglichkeit der Vereinbarkeit eines Siedlungsgebietes für Menschen sowie eines Erholungsraumes für Gäste parallel zu einem uneingeschränkten Lebensraum für den Wolf und Großraubtiere generell ist unter den genannten Gesichtspunkten mehr als fraglich.

Dies vorausgeschickt,

fordert der Südtiroler Landtag die italienische Regierung und das italienische Parlament auf,

1. Grundlagen zu schaffen, um den Abschuss der problematischen Großraubwildtiere schnell und unbürokratisch im Bedarfsfall zu ermöglichen;

2. eine einheitliche Gangart für die Regulierung von Großraubwildtieren für den gesamten Alpenraum zu schaffen;

3. innerhalb des EU-Rechts sämtliche Möglichkeiten der Derogation auszuschöpfen, um die geregelte Entnahme auf die Wildart „canis lupus” vor allem in den Bergregionen an die Regelungen jener europäischen Mitgliedsstaaten anzugleichen, in welchen bereits jetzt Ausnahmen vom generellen Wolfsabschussverbot gelten;

4. gesetzgeberisch eine klare Regelung zu schaffen, die bei Angriffen durch nachweislich gefährliche Wildtiere zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger unmittelbar zur Anwendung kommt;

Bozen, 11.01.2023

gez. Landtagsabgeordnete
Josef Unterholzner
Andreas Leiter Reber
Ulli Mair
Franz Locher
Manfred Vallazza
Paula Bacher

***
Behandelt im Plenum am 12.01.2023
Der Ersetzungsantrag wurde in einer getrennten und namentlichen Abstimmung genehmigt
1. Abstimmung (Prämissen)
2. Abstimmung (Punkt 1)
3. Abstimmung (Punkt 2)
4. Abstimmung (Punkt 3)
5. Abstimmung (Punkt 4)
***

LINK Detail zum Begehrensantrag
LINK Video Landtag


Originale Begehrensantrag
Großraubwildtiere – Entnahme, schnell, unbürokratisch und mit Vernunft

Mittlerweile werden täglich aus allen Seiten Südtirols Wolfsrisse gemeldet. Bis heute wurde oder ist von Seiten der Politik wenig bis gar nichts unternommen worden. Die Bauern und Tierhalter fühlen sich allein gelassen.

Trotz des um Hilfe geradezu bettelnden Aufschreis der Bauern fühlt sich niemand wirklich angesprochen. Die Wolfsangriffe werden immer mehr zu einem Existenzproblem. Nicht nur für die
um ihre Ziegen und Schafe bangenden Bauern, mittlerweile sorgen sich auch betroffene Dorfbewohner. Denn wie seit kurzem bekannt, nähert sich der Wolf immer mehr den bewohnten Gebieten. Kein Wunder, denn vielleicht hat es sich unter den Wölfen herumgesprochen, dass ihnen keine Gefahr drohen darf.

Der Wolf ist nun nicht mehr nur ein Problem auf den Almen, sondern auch in unseren Wohngebieten. Politik und Tierschützer sollten nun endlich begreifen, dass nicht nur Bär und Wolf, sondern auch Schafe, Kälber und Menschen zu schützende Lebewesen sind.

Der Wolf hat natürlich, wie jedes Lebewesen Anrecht auf Leben. Da aber der Mensch überlebensbedingt – speziell in unseren Berggebieten – immer weiter in den Lebensraum der Tiere vorgedrungen ist, wurde der Lebensraum für Tiere wie Wolf und Bär zu klein. Damit ist die Wiedereingliederung des Großraubwildes zu einem großen Problem geworden.

Der Lebensraum des Menschen in den Alpen hat sich bis weit über 2.000m Meereshöhe (Almen, Skigebiete, Wanderwege usw.) ausgeweitet. Nicht aus Spaß, sondern aus Notwendigkeit wurden Wolf und Bär in den Alpen ausgerottet.
Durch die – unseres Erachtens vollkommen unvernünftigen Bestimmungen – läuft man Gefahr, dass das Bauernwesen und der Tourismus in diesen Zonen vollkommen aufgegeben werden
müsste. Viele Traditionen wie z.B. Almabtrieb oder Transhumanz (UNESCO-Weltkulturerbe) sind dem Untergang geweiht.

Dies vorausgeschickt,

fordert der Südtiroler Landtag
die italienische Regierung und das italienische Parlament auf,

1. gesetzliche Grundlagen zu schaffen, um den Abschuss der problematischen Großraubwildtiere schnell, unbürokratisch und mit Vernunft zu ermöglichen;

2. die zum Abschuss Berechtigten sollten dem Datenschutz unterliegen, um mögliche Anfeindungen von radikalen Tierschützern zu unterbinden;

3. eine einheitliche Regel für den Abschuss von Großraubwildtieren für den gesamten Alpenraum zu schaffen;

4. die Punkte im beschließenden Teil des bereits genehmigten BA Nr. 114-19 der SVP schnellstmöglich umzusetzen;

5. innerhalb des EU-Rechts sämtliche Möglichkeiten der Derogation zu nutzen, um die geregelte Jagd auf die Wildart “canis lupus” vor allem in den Bergregionen an die Regelungen jener
europäischen Mitgliedsstaaten anzugleichen, in welchen bereits jetzt Ausnahmen vom generellen Wolfsabschussverbot gelten;

6. gesetzgeberisch sicherzustellen, dass die Notwehr auch bei Angriffen durch Wildtiere zur Anwendung kommt, und zwar in jenem Sinne, dass die Bürgerinnen und Bürger zum Schutz
der Unversehrtheit von Personen und ihrer Vermögensrechte einschreiten können;

7. gesetzgeberisch sicherzustellen, dass die Sonderbestimmung über die Verhältnismäßigkeit der Notwehr (im Sinne der Absätze 2 und 3 des Artikel 52 StGB) ausdrücklich auch auf die Flächen
der Alm- und Weidewirtschaft auszudehnen ist.

Bozen, 09.11.2022

gez. Landtagsabgeordnete
Josef Unterholzner
Andreas Leiter Reber
Ulli Mair
Franz Locher

 

Deine Meinung zählt!

Nur gemeinsam kommen wir ans Ziel - wir freuen uns auf Deine Meinung und Vorschläge