Enzian Südtirol

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30. September 2020 Zur Übersicht

CORONA-WAHNSINN

Da von sehr vielen Seiten Stimmen laut werden, stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit der aktuellen Maßnahmen bezüglich Corona sowie deren Folgeschäden. Jeder der nicht auf den Zug aufspringt und die Corona Maßnahmen hinterfragt, ob diese berechtigt sind oder nicht, wird degradiert oder als Verschwörungstheoretiker bezeichnet.

Dies vorausgeschickt,

stelle ich an die Landesregierung folgende Fragen:

1. Wie lange will die Landeregierung an den aktuellen Maßnahmen festhalten?

2. Ist die Landesregierung tatsächlich überzeugt, dass die Maske mehr Nutzen als Schäden verursachen? Bitte um detaillierte Auskunft.

3. Ist es legitim und in Ordnung für die Landesregierung, dass sich ein Eurac-Mitarbeiter, der sich als Wissenschaftsjournalist ausgibt, öffentlich Personen namentlich angreift, die anderer Meinung sind, deren Standpunkte mit handfesten Beweisen und Quellen verbreitet werden?

Bozen, 28.09.2020

Der Landtagsabgeordnete
Josef Unterholzner


Antwort von LR Widmann

1.So lange der Notstand, nicht nur in Südtirol, sondern weltweit anhält und somit die Pandemie immer noch unter uns ist, wird die Landesregierung an den entsprechenden Maßnahmen festhalten. Zum aktuellen Zeitpunkt ist es noch wichtiger an diesen Maßnahmen keine Lockerungen vorzunehmen, damit eine zweite Welle mit vielen Krankenhausaufenthalten und einer Überlastung des Gesundheitssystems vermieden werden kann.

2. Wir verwiesen auf die Empfehlungen verschiedener Experten des Südtiroler Sanitätsbetriebes, die sich ihrerseits auf internationale Experten bzw. Studienergebnisse berufen; daneben auch auf die Stellungnahmen anerkannter Institutionen im Gesundheitsbereich, auf die Aussagen von Virologen und Fachpersonen in der internationalen Presse (z.B. Virologe und Charité-Professor Christian Drosten) und auf eine umfangreiche Fachliteratur, wonach die Tröpfcheninfektion den Hauptansteckungsweg darstellt und die Ansteckungsgefahr durch asymptomatische Virusträger bestätigt wird. Die Verbreitung dieser „Droplets“ kann durch Textilien als Mund-Nasen-Bedeckung bedeutend reduziert werden. Über die Wirksamkeit von selbstgenähten Masken aus unterschiedlichen Textilien zur Infektionsvorbeugung siehe zudem u. a. die Studie Davies A, Disaster Med Public Health Preparedness 2013; 7: 413 – 418.
In der Folge einige Stellungnahmen:
– Stellungnahme von Primar Dr. Marc Kaufmann (Medizischer Einsatzleiter Covid-19): „Durch Händedesinfektion, va. aber durch das Tragen einer unspezifischen Barriere (Mund-Nasen-Schutz, aber auch jede Form einer textilen Maske oder Ähnliches) der oberen Atemwege (Nase, Mund) zum Umfeld, kann eine signifikante “Droplet-Reduktion” erreicht und eine Eingrenzung der Ausbreitung der Infektion erreicht werden“.
– Stellungnahme von Primaria Dr. Dagmar Regele (Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit): „Es ist erwiesen, dass das Tragen von chirurgischen Masken die Übertragung von SARS-CoV-2 durch Tröpfchen eindämmt. Auch das Bedecken der Atemwege mit geeigneten Textilien (z.B. Stoffmasken oder Bandana Halstuch) verringert die Tröpfchen-Emission in die Umgebung und trägt somit deutlich zur Verringerung des Infektionsrisikos bei. Die Bevölkerung sollte darüber informiert werden und aufgefordert werden, bei Verlassen der Wohnung die Atemwege mit einer Maske oder Halstuch zu bedecken. Auch am Arbeitsplatz sollte zusätzlich zum Mindestabstand von 1 Meter dieses Verhalten unterstützt werden“.
– Stellungnahme von Dr. Patrick Franzoni, Facharzt für Geriatrie und Notfallmedizin: “Visto la stringente necessità di cercare di ridurre le modalità di contagio da pazienti asintomatici/paucisintomatici è di fondamentale importanza ridurre la quantità di “droplets” tramite opportuna barriera fisica (protezione naso bocca) opportunamente posizionata. Tale obiettivo è perseguibile SOLO raccomandando a tutta la popolazione di proteggere naso/bocca con opportune barriere fisiche per evitare la contaminazione con “Droplets” e quindi proteggendo l’ambiente circostante e tutte le altre persone.”
– Auszug aus der Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin OEGIT vom 30.03.2020: „Stoffmasken sind kein Ersatz für FFP-Masken, wie sie im Krankenhaus in kritischen Bereichen (aerosolproduzierende Maßnahmen) eingesetzt werden. Stoffmasken stellen auch keinen Ersatz von MNS-Masken in nicht-Pandemiezeiten dar. Allerdings können Stoffmasken bei Mangel an industriell hergestellten und CE-zertifizierten MNS-Masken in unkritischen Bereichen eine Alternative darstellen, da sie eine Möglichkeit bieten, das Risiko für Tröpfcheninfektionen zu vermindern. Textilmasken fangen 71% aller Partikel ab, jene der Größe 0.65 – 1.1 μm 79%, MNS-Masken im Vergleich dazu 86% respektive 85%. Stoffmasken können 60% virusgroßer Partikel filtern, chirurgische Masken 78.6% und FFP2-Masken 98.9%“.
– Auszug aus den Empfehlungen des BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) vom 31.03.2020: „Es ist im Falle der Beschreibung/Bewerbung einer Mund-Nasen-Maske durch den Hersteller oder Anbieter darauf zu achten, dass nicht der Eindruck erweckt wird, es handele sich um ein Medizinprodukt oder Schutzausrüstung. (…) Trotz dieser Einschränkungen können geeignete Masken als Kleidungsstücke dazu beitragen, die Geschwindigkeit des Atemstroms oder Tröpfchenauswurfs z.B. beim Husten zu reduzieren und das Bewusstsein für „social distancing“ sowie gesundheitsbezogen achtsamen Umgang mit sich und anderen sichtbar zu unterstützen. Auf diese Weise können sie bzw. ihre Träger einen Beitrag zur Reduzierung der weiteren Ausbreitung von SARS-CoV-2 leisten“.
– Stellungnahme der Deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina („Zweite Ad-hoc-Stellungnahme: Corona-Pandemie – Gesundheitsrelevante Maßnahmen“ vom 3. April): „Ein Mund-Nasen-Schutz reduziert die Übertragung von Viren, v. a. durch eine Reduktion der Tröpfcheninfektion. Da sich eine große Zahl unerkannt Erkrankter ohne Symptome im öffentlichen Raum bewegt, schützt ein Mund-Nasen-Schutz andere Menschen, verringert damit die Ausbreitung der Infektion und senkt somit mittelbar das Risiko, sich selbst anzustecken. Ein Mund-Nasen-Schutz dient eingeschränkt auch unmittelbar dem Eigenschutz. Eine schrittweise Lockerung der Einschränkungen sollte daher mit dem flächendeckenden Tragen von Mund-Nasen-Schutz einhergehen. Dies gilt im gesamten öffentlichen Raum, u. a. in Betrieben, Bildungseinrichtungen und im öffentlichen Nah- und Fernverkehr. Voraussetzung ist die flächendeckende Verfügbarkeit von schützenden Masken. Der Mangel sollte bereits jetzt durch selbst hergestellten Mund-Nasen-Schutz, Schals und Tücher überbrückt werden. Diese sollten dabei Mund, Nase, Kinn und die Seitenränder möglichst vollständig abdecken. FFP2/3-Masken sollten dem medizinischen Bereich, der Pflege und besonderen Berufsgruppen vorbehalten sein.”
– Empfehlung der CDC (Centers for Desease Control), zuletzt aktualisiert am 13. April 2020: “CDC recommends wearing cloth face coverings in public settings where other social distancing measures are difficult to maintain (e.g., grocery stores and pharmacies), especially in areas of significant community-based transmission. CDC also advises the use of simple cloth face coverings to slow the spread of the virus and help people who may have the virus and do not know it from transmitting it to others. Cloth face coverings fashioned from household items or made at home from common materials at low cost can be used as an additional, voluntary public health measure. The cloth face coverings recommended are not surgical masks or N-95 respirators. Those are critical supplies that must continue to be reserved for healthcare workers and other medical first responders, as recommended by current CDC guidance“.https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/prevent-getting-sick/diy-cloth-face-coverings.html
Darüber hinaus sei darauf hingewiesen, dass im Zeitraum März-April 2020 zahlreiche Länder, Regionen und Kommunen eine Mundschutzpflicht eingeführt haben (Slowakei, Tschechien, Jena,
Bayern, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern bzw. seit 26. April sämtliche deutschen Bundesländer). In allen Fällen sind behelfsmäßige Stoffmasken, Schals und Tücher als geeignete Alternative zugelassen, die weder einen Zertifizierungsprozess durchlaufen haben noch medizinische Schutzprodukte sind. Verschiedene Studien belegen mittlerweile, dass gerade die Mund-Nasen-Bedeckung eine der effektivsten Präventionsmaßnahmen ist und maßgelbich dazu beigetragen hat, die Steigung der Infektion zu unterbinden. Ich wage auch zu behaupten, dass der Großteil der Länder mit dem heutigen Wissensstand zur Effektivität dieser Maßnahme diese bereits früher eingesetzt hätten. In diesem Fall hat Südtirol mit der frühzeitigen Verteilung an die Bevölkerung eine Pioniersleistung erbracht.

3. In der Frage wird der Name dieser Person nicht genannt und daher kann diesbezüglich keine Auskunft gegeben werden.

Der Landesrat
Dr. Thomas Widmann

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