Enzian Südtirol

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13. Juli 2021 Zur Übersicht

Bär und Wolf

Das Zusammenleben mit Wolf und Bär in Südtirol wird immer schwieriger. Laut letzten Medienberichten nähern sich diese Großraubwildtiere immer mehr den Dörfern, wie z.B. Lana und am Rainguthof in Tisens. Es hat den Anschein als würden die Tiere die Scheu vor dem Menschen verlieren. Es ist nur mehr eine Frage der Zeit und sie spazieren durch unsere Dörfer. Logisch wenn man bedenkt, wie einfach die Wildtiere zu Futter kommen.

Dies vorausgeschickt,

stelle ich an die Landesregierung folgende Fragen:

1. Was gedenkt die Landesregierung zu tun, um die Lebenssituation der Menschen in den Dörfern zu schützen?

2. Hat sich die Landesregierung Gedanken darüber gemacht, wenn die Bauern die Almen nicht mehr pflegen – die Nutztiere im Sommer nicht mehr auf die Almen bringen, welche Folgen daraus entstehen?

3. Wie hat sich die Landesregierung ein Zusammenleben von Menschen und Tier vorgestellt, da aufgrund der bewirtschafteten Almen für Wolf und Bär daher kein geeigneter Platz ist?

4. Mit welchen Abhilfemaßnahmen antwortet die Landesregierung auf den jüngsten Vorfällen am Rainguthof in Tisens?

Bozen, 14.06.2021

Der Landtagsabgeordnete
Josef Unterholzner


Antwort im Plenum am 29.06.2021 vom LR Schuler

SCHULER (Landesrat für Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Zivilschutz – SVP):

Sehr geehrte Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, zur Beantwortung der Anfrage Folgendes:

Ich möchte die Gelegenheit nützen, um noch einmal zu differenzieren, zum einen in Bezug auf die Gefahr für den Menschen, die von Großraubtieren ausgehen kann, zum anderen bezüglich des Problems in Zusammenhang mit den Nutztieren. In Zusammenhang mit der Gefahr für die Menschen wissen wir, dass es in Bezug auf den Bären im Trentino Zwischenfälle gegeben hat, die lebensbedrohlich waren. Deshalb ist die nötige Vorsicht geboten. Es kann Problembären geben, die Menschen in bestimmten Situationen angreifen. In Bezug auf den Wolf ist die Situation anders. In Italien gibt es zwischen 2.500 und 3.000 Wölfe, wobei es in den letzten 150 Jahren keinen Nachweis gegeben hat, dass ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden wäre. Panikmache ist also völlig fehl am Platz. Ich habe einige Male verschiedene Journalisten gebeten, von diesen Angstmachereien abzusehen, denn damit richtet man nur Schaden an. Etwas anderes ist natürlich die Situation in Bezug auf die Nutztiere. Hier sind der Bär und vor allem der Wolf sehr wohl ein Problem, und zwar ein großes Problem. Wir haben heute nicht mehr das Habitat, das es einmal gegeben hat. Die Situation ist völlig anders, wobei die zunehmende Präsenz an Großraubtieren eine große Bedrohung für die Südtiroler Berglandwirtschaft und die Nutztierhaltung darstellt. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass es Regulierungen geben soll und muss, um die Situation in Griff zu bekommen, bis hin
zur Entnahme von Einzeltieren bzw. Regulierungen der Population. Dafür setzen wir uns ein und dafür stehen wir, aber es braucht eine Differenzierung zwischen diesen zwei Dingen.

Zum zweiten Thema. Natürlich haben wir uns Gedanken über die Auswirkungen auf die Südtiroler Landwirtschaft, die Landschaft und Biodiversität gemacht. Wir wissen, dass die Almen ein Hotspot der Biodiversität sind, weshalb ein Auflassen derselben einen Rückgang der Biodiversität bedeuten würde. Die Situation in Südtirol ist ein Ausnahmebeispiel. In Südtirol werden mehr als 1.300 Almen bewirtschaftet und mit Vieh bestoßen. Jedes Jahr werden an die 90.000 Stück Vieh aufgetrieben. Das ist nicht nur ein Nutzen für die Landwirtschaft, sondern dient auch dem Offenhalten der Almen. Deshalb ist uns dieses Problem sehr wohl bewusst.

Was das Zusammenleben mit Bär und Wolf anbelangt, muss man ebenso eine klare Sprache sprechen. Es wird in den nächsten Jahrzehnten kein Südtirol ohne Bär und Wolf mehr geben, und zwar schon allein aufgrund der Tatsache, dass die Anzahl dieser Tiere rund um Südtirol herum ständig zunimmt. Wir haben im Trentino circa 100 Bären. In den drei Nachbarprovinzen Belluno, Trient und Graubünden gibt es inzwischen an die 40 Wolfsrudel, mit fünf Wölfen pro Rudel. Das sind also 200 Wölfe. Unabhängig von Regelungen in Südtirol wird es also immer wieder Wölfe und Bären geben, die nach Südtirol kommen werden. Wir wissen ja, dass sie innerhalb eines Tages große Strecken zurücklegen. Das eine ist also die Regulierung vor Ort, das andere ist die Entwicklung um Südtirol herum. Die ist eine deutliche.

Zu Frage Nr. 4 bzw. zu den Vorfällen am Reinguthof in Tisens. Wir können zur Zeit nichts anderes machen, als die entstandenen Schäden zu vergüten und die Geschehnisse entsprechend bewerten, soweit wir das tun dürfen. Wir können nicht frei handeln, sondern es muss alles mit den europäischen und staatlichen Normen abgestimmt werden. Die Tiere werden geschätzt und die Vergütungen dementsprechend ausgezahlt.


Replik vom Abg. Unterholzner

UNTERHOLZNER (ENZIAN):

Danke, Herr Landesrat, für die Antworten.
Das Problem ist Ihnen sehr wohl bekannt. Wenn Sie sagen, dass Sie nichts anderes tun könnten, als die Schäden zu vergüten, so sind die Bauern und Zuchttierhalter damit nicht einverstanden. Ich glaube, dass es viel mehr Interventionen in Richtung EU und Rom braucht. Diese Anfrage ist auch aufgrund der Äußerungen des Bürgermeisters von Lana entstanden, der mehrmals unmissverständlich gefragt hat: “Wie lange werden wir noch warten, bis etwas Schlimmeres passiert?” Ich glaube, dass das irgendwann passieren wird. Man kann und darf nicht mehr länger zuschauen. Es muss etwas gemacht werden, damit die Nutztierhalter mit ihren Tieren auf den Almen geschützt werden.
Ich würde Sie ersuchen, mir die Antwort schriftlich auszuhändigen. Danke!


Antwort von LR Schuler

Sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter,

nachdem ich diese Anfrage bereits mündlich in der aktuellen Fragestunde in der Landtagssitzung am 29. Juni 2021 beantwortet habe, jedoch sie auch in schriftlicher Form angefordert wurde, übermittle ich nun nachstehend meine Antwort:

1. Was gedenkt die Landesregierung zu tun, um die Lebenssituation der Menschen in den Dörfern zu schützen?
Ich möchte die Gelegenheit nützen, um noch einmal zu differenzieren, zum einen in Bezug auf die Gefahr für den Menschen, die von Großraubtieren ausgehen kann, zum anderen bezüglich des Problems in Zusammenhang mit den Nutztieren. In Zusammenhang mit der Gefahr für die Menschen wissen wir, dass es in Bezug auf den Bären im Trentino Zwischenfälle gegeben hat, die lebensbedrohlich waren. Deshalb ist die nötige Vorsicht geboten. Es kann Problembären geben, die Menschen in bestimmten Situationen angreifen. In Bezug auf den Wolf ist die Situation anders. In Italien gibt es zwischen 2.500 und 3.000 Wölfe, wobei es in den letzten 150 Jahren keinen Nachweis gegeben hat, dass ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden wäre. Panikmache ist also völlig fehl am Platz. Ich habe einige Male verschiedene Journalisten gebeten, von diesen Angstmachereien abzusehen, denn damit richtet man nur Schaden an.
Etwas anderes ist natürlich die Situation in Bezug auf die Nutztiere. Hier sind der Bär und vor allem der Wolf sehr wohl ein Problem, und zwar ein großes Problem. Wir haben heute nicht mehr das Habitat, das es einmal gegeben hat. Die Situation ist völlig anders, wobei die zunehmende Präsenz an Großraubtieren eine große Bedrohung für die Südtiroler Berglandwirtschaft und die Nutztierhaltung darstellt. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass es Regulierungen geben soll und muss, um die Situation in Griff zu bekommen, bis hin zur Entnahme von Einzeltieren bzw. Regulierungen der Population. Dafür setzen wir uns ein und dafür stehen wir, aber es braucht eine Differenzierung zwischen diesen zwei Dingen.

2. Hat sich die Landesregierung Gedanken darüber gemacht, wenn die Bauern die Almen nicht mehr pflegen – die Nutztiere im Sommer nicht mehr auf die Almen bringen, welche Folgen daraus entstehen?
Natürlich haben wir uns Gedanken über die Auswirkungen auf die Südtiroler Landwirtschaft, die Landschaft und Biodiversität gemacht. Wir wissen, dass die Almen ein Hotspot der Biodiversität sind, weshalb ein Auflassen derselben einen Rückgang der Biodiversität bedeuten würde. Die Situation in Südtirol ist ein Ausnahmebeispiel. In Südtirol werden mehr als 1.300 Almen bewirtschaftet und mit Vieh bestoßen.
Jedes Jahr werden an die 90.000 Stück Vieh aufgetrieben. Das ist nicht nur ein Nutzen für die Landwirtschaft, sondern dient auch dem Offenhalten der Almen. Deshalb ist uns dieses Problem sehr wohl bewusst.

3. Wie hat sich die Landesregierung ein Zusammenleben von Menschen und Tier vorgestellt, da aufgrund der bewirtschafteten Almen für Wolf und Bär daher kein geeigneter Platz ist?
Was das Zusammenleben mit Bär und Wolf anbelangt, muss man ebenso eine klare Sprache sprechen. Es wird in den nächsten Jahrzehnten kein Südtirol ohne Bär und Wolf mehr geben, und zwar schon allein aufgrund der Tatsache, dass die Anzahl dieser Tiere rund um Südtirol herum ständig zunimmt. Wir haben im Trentino circa 100 Bären. In den drei Nachbarprovinzen Belluno, Trient und Graubünden gibt es inzwischen an die 40 Wolfsrudel, mit fünf Wölfen pro Rudel. Das sind also 200 Wölfe. Unabhängig von Regelungen in Südtirol wird es also immer wieder Wölfe und Bären geben, die nach Südtirol kommen werden. Wir wissen ja, dass sie innerhalb eines Tages große Strecken zurücklegen. Das eine ist also die Regulierung vor Ort, das andere ist die Entwicklung um Südtirol herum. Die ist eine deutliche.

4. Mit welchen Abhilfemaßnahmen antwortet die Landesregierung auf den jüngsten Vorfällen am Rainguthof in Tisens?
Zu den Vorfällen am Rainguthof in Tisens können wir zur Zeit nichts anderes machen, als die entstandenen Schäden zu vergüten und die Geschehnisse entsprechend bewerten, soweit wir das tun dürfen. Wir können nicht frei handeln, sondern es muss alles mit den europäischen und staatlichen Normen abgestimmt werden. Die Tiere werden geschätzt und die Vergütungen dementsprechend ausgezahlt.

Mit freundlichen Grüßen

Der Landesrat
Arnold Schuler

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